Berichte zum Hallendacheinsturz 
 

 

Januar 2002

 

Als ob ein Fluch auf der Halle liegt

 

Berufschule: Reaktionen und Prognosen

 
Dachau (cro) - Auch einen Tag, nachdem die Berufschulturnhalle geschlossen werden musste (wir haben berichtet), gibt es noch keine genauen Informationen darüber, wie bedrohlich die Lage wirklich ist und wie der Mangel behoben wird.

Ob es sich bei dem entdeckten Haarriss im Hauptträger der Dachkonstruktion nur um eine punktuelle Schwachstelle handelt oder die komplette Tragfähigkeit der Leimbinder betroffen ist, soll eine Materialprobe klären. Das Ergebnis wird in frühestens zwei Wochen erwartet, teilte Gerhard Weber, Pressesprecher im Landratsamt, gestern auf Anfrage mit. Solange bleibt die Halle auf jeden Fall gesperrt. "Die ersten Informationen von unserem Gutachter fielen keineswegs so aus, dass man sich heute lässig zurücklehnen und sagen könnte, alles halb so schlimm", gesteht Weber.
Der Haarriss wurde am Dienstagvormittag bei einer Kontrolle festgestellt. "Ich war wie vom Donner gerührt", erzählte Weber. "Zuerst so eine teuere Renovierung von rund 2,85 Millionen Euro, dann endlich nach zwei Jahren die Fertigstellung und ein paar Wochen später so was." Richtig fassen konnte es Weber gestern immer noch nicht.
Auch bei Kurt Ungar, Rektor der Berufschule, saß gestern der Schock noch tief: "Das gesamte Lehrerkollegium ist noch völlig irritiert. Zum Glück ist nichts passiert." Als Ungar am Vormittag benachrichtigt wurde, war gerade eine Schulklasse in der Halle. Nun findet der Sportunterricht wieder in Dachau-Ost statt. "Und das wird länger so bleiben." Bis schließlich Ursache und Schuldfrage geklärt sind, könnte es seiner Einschätzung nach Herbst werden.
Optimistischer gibt sich Richard Reisböck, Vorsitzender des TSV 1865 Dachau. Er hofft, dass es sich nur um eine Schwachstelle handelt und in drei Wochen die Halle wieder geöffnet wird. Inzwischen versuche er die Handballer beim JEG und der Bereitschaftspolizei unterzubringen. "Mich hat fast der Schlag getroffen, als ich es erfahren habe. Es ist fast so, als ob ein Fluch auf der Halle liegt."
 

Aus den Dachauer Nachrichten vom 07.02.02

 

Ratlosigkeit nach erneuter Sperrung der Turnhalle

 

Landratsamt und Berufsschule warten auf Gutachten aus Stuttgart

 

Von Robert Probst und Christine Heumann

 
Dachau - Kaum einer der Betroffenen wollte es zunächst wahrhaben, als am Dienstagvormittag die Nachricht eintraf, es bestünden Zweifel an der Leimqualität der neuen Dachträger der Berufsschulturnhalle. Ein „einmaliger Fall“, sagt Berufsschulrektor Kurt Ungar. „Es ist schlimm, wieder die gleiche Stelle“, kommentiert der Direktor des Ignaz-Taschner-Gymnasiums, Roland Reger.

Bereits vor etwa 14 Tagen wurde die neue Dachkonstruktion von Fachleuten intensiv beobachtet. Als am Dienstagmorgen dann das Ergebnis der ersten Untersuchung bekannt wurde, wurde die Halle sofort geräumt – eine Klasse der Berufsschule war gerade beim Sportunterricht. „Der Landkreis hat richtig reagiert“, sagt Ungar.

Im Landratsamt ist das Entsetzen groß, vor allem weil man nach dem spektakulären Dacheinsturz 1999 nun mit einer 2,4 Millionen Euro teuren neuen Dachkonstruktion „auf Nummer sicher gehen“ wollte, wie Landrat Hansjörg Christmann bei der Hebauffeier im vergangenen Sommer erklärt hatte. Nun warten alle Beteiligten mit großer Spannung auf ein weiteres Gutachten des renommierten Otto-Graf-Instituts der Universität Stuttgart. Heinrich Kreutzinger, Professor für Holzbau an der Technischen Universität München, hatte dem Landratsamt nach seiner ersten negativen Analyse das Institut in Stuttgart als das „führende“ in Deutschland empfohlen.

Landratsamtssprecher Gerhard Weber gibt sich keinen Illusionen hin: Wenn sich punktuelle Schäden mit Stahlverstärkungen stabilisieren ließen, bekäme man die Sache in Griff. „Wenn nicht, müssen alle vier Träger runter, da machen wir uns nichts vor.“ Weber teilte außerdem mit, dass man auch die Oberste Baubehörde eingeschaltet habe.

Ratlos ist auch Architekt Richard Schwarz, der zusammen mit dem Büro Auer und Stork (München) das neue Dach geplant hat. Wie die Holzbretter zu den beiden 27 Meter langen Dachträgern verleimt wurden, sei an der Baustelle nicht zu erkennen. Diese hochspezialisierten Firmen würden ständig überwacht. Zwar sei nun die Dachkonstruktion völlig neu, aber: „Wenn das Material nicht funktioniert, hilft die beste Konstruktion nichts“, so Schwarz, der aber erst nähere Untersuchungen abwarten will.

Die betroffenen Schulen planen derweil die Wiederaufnahme des „Turnhallentourismus“. Während ITG-Direktor Reger es zunächst bei einem „Notplan“ ohne große Auslagerungen belässt und auf ein positives Ergebnis nach den Faschingsferien hofft, denkt Kurt Ungar an eine längere Ursachensuche: „Eine kurzfristige Lösung sehe ich nicht.“ Er will als „Routinier“ in Sachen Turnhallen-Vorfälle wieder in die Halle nach Dachau-Ost ausweichen.

 

Aus der Dachauer Neuesten  vom 07.02.02

 

Schock in der Berufschulturnhalle

 

Haarrisse in der Decke der wiederaufgebauten Halle entdeckt - Sofort gesperrt

 
Dachau (red)  Die nach ihrem Wiederaufbau nach den Weihnachtsferien freigegebene Berufssschulturnhalle hat der Landkreis am gestrigen Dienstag für den Schul- und Vereinssport schon wieder sperren lassen, wie Pressesprecher Gerhard Weber am Nachmittag mitteilen musste. Der Grund: Bei einer Kontrolle der Hauptträger der neuen Dachkonstruktion waren Haarrisse festgestellt worden, worauf die Hochbauverwaltung des Landkreises umgehend seinen Gutachter, Professor Heinrich Kreutzinger TU München, mit einer Untersuchung beauftragte.

Die Laboranalyse der aus den Leimbindern punktuell entnommenen Materialproben haben Zweifel aufkommen lassen hinsichtlich der Leimqualität. Ob es sich nur um punktuelle Schwachstellen handelt oder die Tragfähigkeit der Leimbinder gegeben ist, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Dafür müssen nun weitere Materialproben mittels Kernbohrung entnommen und untersucht werden. Vor diesem Hintergrund sah sich der Landkreis gezwungen, die Berufsschulturnhalle vorsorglich wieder zu sperren.
Am 1. Dezember 1999 war das Dach der Berufsschulturnhalle am Heinrich-Neumaier-Platz eingestürzt - ein Leimbinder hatte den Geist aufgeben. Die Halle war damals gerade einmal 16 Jahre alt gewesen. Zwei Jahre später, im Januar 2002, waren die Wiederaufbauarbeiten abgeschlossen - rund 2,85 Millionen Euro hatte der Landkreis ausgeben müssen.
 

Aus den Dachauer Nachrichten vom 06.02.02

 

Dezember 1999

Dachauer Neueste vom 03.12.1999

Einsturz verursacht Millionenschaden
Tragender Dachbalken zerbirst in der Mitte / Lehrer bringt Schüler rechtzeitig in Sicherheit

Ziemlich exakt in der Mitte knickte der Trägerbalken und stürzte auf den Hallenboden. Da die gesamte Restdecke unter enormen Spannungen steht, wurde Dreifachturnhalle komplett gesperrt.

 

Dachau – Es war am Mittwoch gegen 14 Uhr, als es lautstark im Dachgebälk krachte. Lehrer Norbert Wolf absolvierte gerade mit der 10. Klasse eine Doppelstunde Sport in der Dreifachturnhalle der Berufsschule am Heinrich-Neumaier-Platz. „Der Basketballkorb wackelte, die Lampen wackelten“ und dort, wo die Jugendlichen Fußball spielten, prasselten Holzsplitter nieder. Wolf sah bedrohliche Risse in einem der beiden Balken und führte die 24 Schüler aus der Halle. Etwa drei Stunden später brach der 1,20 Meter dicke Balken in der Mitte durch, etwa die Hälfte des Daches stürzte auf den Hallenboden. Über die Ursache des Einsturzes rätselten Experten der Feuerwehr und des Sachaufwandsträgers Landratsamt gestern noch. Der Schaden soll mehrere Millionen Mark betragen. 

Am Tag danach zeigte sich das gesamte Ausmaß des Unglücks im Tageslicht. Ein großer Teil der Decke und der tragende Balken liegen zerborsten in der Halle, Kies vom Dach rutscht immer weiter in die Halle und große Pfützen vom Regen bilden sich. Hausmeister Hans-Georg Kernchen blickt fassungslos in die Halle. Nachdem er von dem Lehrer über die Knackgeräusche und Risse informiert worden war, hatte er die Halle verschlossen und alle elektrischen Leitungen unterbrochen. Wenig später bricht der Balken, die Hallendecke stürzt herab. Zunächst erwägt man noch, den zweiten tragenden Balken abzustützen, weil aber niemand weiß, unter welchen Spannungen er steht, verwirft man den Gedanken. 

Über die Gründe des Balkenbruchs kann auch am nächsten Tag Georg Maier, Sachgebietsleiter des Hochbauamts am Landratsamt, lediglich rätseln. Nur dass die statischen Berechnungen falsch waren beim Bau, das schließt er so gut wie aus: „Dann wäre sie schon weitaus früher bei höheren Deckenbelastungen runtergekommen.“ Da die gesamte Restdecke unter enormen Spannungen stehe, müsse erst die Decke von Außen mittels eines Kranes abgetragen werden, um mit dem Wiederaufbau beginnen zu können. Die Reparaturarbeiten könnten ein bis eineinhalb Jahre dauern. 

Hallenboden zerstört 

Über mögliche Ursachen des Einsturzes wollte Landratsamtsprecher Gerhard Weber gestern nicht spekulieren ( siehe Bericht unten ). Auch eine konkrete Schadenssumme konnte er nicht nennen. Es sei aber nicht nur die Decke, sondern auch der Holzboden zerstört worden. Weber: „Eine Million Mark werden da wohl nicht ausreichen.“ Die Frage nach den Reparaturkosten werde in jedem Fall Einfluss auf die Haushaltsberatungen im Kreistag haben. Ein unabhängiger Gutachter soll nun schnellstmöglich die Ursachen des Einsturzes ermitteln, auch, um eventuelle Schadensersatzansprüche anmelden zu können. Mit den Untersuchungen soll noch diese Woche begonnen werden. 

Der Einsturz hat enorme Auswirkungen auf das Sportgeschehen in Dachau ( siehe Kasten links ). Das Ignaz-Taschner-Gymnasium, die Staatliche Realschule und insbesondere der TSV 1865 stehen vor einem organisatorischen Problem. „Zwei Drittel des Sportunterrichts fanden in der Dreifachturnhalle statt“, sagt der Direktor des ITG, Wolfram Schuster. Besonders betroffen ist die Handballabteilung des TSV, die ihren gesamten Trainings- und Spielbetrieb in der Halle der Berufschule abwickelte.

Sportler in Nöten
Richard Reisböck, Vorsitzender des TSV Dachau 1865, war von der Nachricht geschockt. Wie er am Donnerstag erfahren hat, sollen sich die Reparaturarbeiten ein bis eineinhalb Jahre hinziehen und etwa vier bis fünf Millionen Mark kosten. Besonders betroffen ist die TSV-Handballabteilung, die ihren gesamten Trainings- und Spielbetrieb in der Halle der Berufschule abwickelt. „Unsere Handballer haben erst einmal ihre Heimat verloren.“ Zu den ersten Reaktionen des TSV-Vorsitzenden gehörte auch ein schriftlicher Hilferuf an Dachaus Oberbürgermeister Kurt Piller, an Landrat Hansjörg Christmann und an die Vorstandskollegen umliegender Vereine. Außerdem hat Reisböck Trainings- und Spielpläne der Handballabteilung an das Landratsamt weitergeleitet, „denn die nächstliegende Lösung wäre ja, so weit als möglich in der Sporthalle des Josef-Effner-Gymnasiums unter zu kommen.“ Weitere Konsequenzen und Lösungsvorschläge, auch für die Sparten, die in der vereinseigenen Jahnhalle untergebracht sind, hat Reisböck gestern Abend in einer eilig anberaumten Krisensitzung mit Vorstandskollegen und allen Abteilungsleitern diskutiert. „Wir müssen in unserer Halle enger zusammenrücken und uns dort sozusagen gesund schrumpfen." 

 

Merkur-Online

Dachauer Nachrichten vom 03.12.1999

Gutachter suchen nach Gründen für den Einsturz 
Berufsschulturnhalle auf unbestimmte Zeit geschlossen
 

Dachau (zim) - Es sieht so aus, als hätte gerade ein Meteor eingeschlagen. Im hinteren Teil der Schulturnhalle der Berufsschule am Heinrich-Neumayer-Platz in Dachau klafft ein fast zehn Meter breites Loch, überall geborstenes Holz, Lüftungs- und Beleuchtungsteile. Das zuständige Landratsamt hat die Ermittlungen zur Beweissicherung aufgenommen. Gutachter werden klären müssen, wie es zu dem Einsturz kommen konnte, wer für den Einsturz die Schuld trägt und wie lange die Halle geschlossen bleiben muss.
Es war gegen 15 Uhr nachmittags am Mittwoch. Die 10. Klasse Metall spielte gerade ahnungslos Fussball und Badminton. "Plötzlich tat es einen Riesenschlag. Es war der Moment, als der Leimbinder nachgab. Es fielen Holzsplitter von der Decke, sie gab nach", so schildert Norbert Wolf (53) die Schrecksekunden für sich und seine 24 Schüler. Der Fachlehrer Metall und die jungen Lehrlinge - alle sind um die 16 - behielten die Nerven. Ruhig verließen sie die Halle, Wolf verständigte die Schulleitung. 
Was zu diesem Zeitpunkt keiner wusste: Wolf und seine Schüler hatten Riesenglück gehabt, denn zweieinhalb Stunden später kam es zum Fiasko: Der riesige Leimbinder (etwa einen Meter dick und 25 lang) - er ist eine der Querverstrebung - knickte ein, das Dach verlor seine Stütze, der hintere Teil der fünfzehn Jahre alten Halle stürzte zusammen wie ein Kartenhaus. Zurück blieb ein Riesenloch (zehn Meter im Durchmesser). Der völlig zerstörte Hallenboden ist mit Holzteilen, Ziegeln, Belüftungs- und Heizungsteilen übersät.
Wie geht es weiter mit dem Bauwerk (es wurde von einem Münchner Architekturbüro und einem selbständigen Statiker errichtet)? Wer trägt die Schuld am Einsturz? Was bedeutet der Einsturz für deren Nutzer? Diese Fragen versucht nun das Landratsamt zu klären. "Morgen haben wir einen Termin mit Gutachtern", sagt Georg Meier, Sachgebietsleiter beim Hochbauamt. Bis dahin versuche man von oben her die zerstörten Teile abzutragen. Ein Abstützen sei unmöglich, die Halle sei akut einsturzgefährdet "da kann man unmöglich jemand hineinlassen". Ein Jahr könne vergehen, bis die Halle wieder benutzbar sei.
Für die Hallennutzer - neben der Berufsschule sind dies vor allem das ITG und der TSV Dachau 65 - "ist das eine Katastrophe", sagt TSV-Handball-Abteilungsleiter Hans Wilke. Der gesamte Spielbetrieb (sieben Mannschaften) läuft in der Halle ab. Wohin man ausweichen könne, stehe in den Sternen, so Wilke ratlos.
"Wir werden versuchen, unsere 50 Wochenstunden in andere Hallen zu verlegen", hofft ITG-Schulleiter Wolfram Schuster, dass in Dachau zusammengeholfen wird. Die anderen Schüler müsse man dann halt zum Schwimmen oder Eislaufen schicken.